Travemünder Woche - Titelkämpfe kommen auf Touren
Für die jugendlichen Europe-Segler gehen die Jugend-Europameisterschaften nach dem sechsten Rennen am Mittwoch (27. Juli) in die entscheidende Phase. In den bisherigen drei Meisterschaftstagen wurden die Teilnehmer für die Gold- und Silberflotte ermittelt. Dabei schafften aus der deutschen Flotte fünf Jungen und vier Mädchen den Sprung in die jeweils erste Hälfte.
Beste Aussichten auf eine Top-Platzierung hat der Bremer Sverre Reinke, der als Siebter zwar vorerst aus den Medaillenrängen herausgerutscht ist, aber lediglich fünf Punkte Abstand auf den erstplatzierten Tomas Westerbrand (Schweden) hat. „Für Sverre ist noch alles drin. Die Plätze eins bis neun liegen sehr eng beieinander, und in der Goldflotte beginnt die Meisterschaft fast von vorn“, sagt die Lübeckerin Janika Puls, die die deutschen Jungs als Trainerin betreut. Auch die Windvorhersage stimmt sie zuversichtlich: „Sverre fühlt sich bei leichtem Wind am wohlsten, das passt also. Aber auch bei mehr Wind ist er sehr schnell.“
Bei den Mädchen liegen sogar zwei Deutsche in den Top-Ten. Für Marisa Roch (Wees) auf Platz acht und Lina Rixgens (Köln) als Zehnte wird es gegen die starken Skandinavierinnen wegen der größeren Punktabstände schwieriger, ganz nach vorn zu kommen. Hier führt die Dänin Christina Andersen. Ebenfalls auf der Jagd nach einem Nachwuchs-Titel sind die 49er. In der olympischen Disziplin wird erstmals in der Geschichte der Klasse eine Junioren-WM ausgesegelt. Hier scheinen sich die Hoffnungen der Kieler Crew Erik Heil/Thomas Plößel auf eine Medaille durch inzwischen zwei Frühstart-Disqualifikationen in Luft aufzulösen. „Jetzt wird es natürlich schwer, ganz nach vorn zu kommen. Der zweite Frühstart ist eigentlich kaum zu verkraften. Schade, denn die Serie sonst war top. Aber vielleicht geht ja noch was, immerhin sind 16 Rennen geplant“, sagte Steuermann Erik Heil, der von wechselhaften Windbedingungen auf der Bahn berichtete. „Erst war es noch ganz gut, aber später ließ es immer mehr nach. Zum Schluss war es grenzwertig. Das haben zumindest die anderen Teams berichtet. Wir waren wegen des Frühstarts da schon an Land.“
Wegen diverser Disqualifikationen im Laufe des Tages hat die Führung in der WM-Wertung gewechselt. Die Briten Max Richardson/Nick Redding liegen nun in der Top-Position. Vor ihnen sind aber noch die Dänen Allan Nørregaard/Peter Lang und Tobias Schadewaldt/Hannes Baumann (Kiel), die aufgrund des Alters allerdings nicht in die Junioren-Wertung eingehen.
Gold Cup Folkeboote
Einen globalen Titel für gestandene Akteure segeln derweil die Folkeboote aus. Die Dreimann-Kielboote haben für ihren Gold Cup am Mittwoch ein Marathon-Rennen über den Kurs gebracht. Dreieinhalb Stunden benötigten sie für den Neun-Meilen-Kurs. Lokalmatador Heino Haase, der als segelnder Organisator die Fäden in der Hand hält, nahm das Zeitlupen-Rennen und die lange Rückfahrt mit Humor: „Wer stört diese himmlische Ruhe vor dem Brodtner Ufer?“, begrüßte er wissbegierige Anrufer auf seinem Handy. Nach vier Wettfahrten nehmen die Gesamtresultate inzwischen mehr den erwarteten Rahmen an. Mit einem Tagessieg hat der deutsche Meister Stefan Schneider (Berlin) seine Spitzenposition zementiert. Es folgen der Laboer Sönke Durst und der schleswig-holsteinische Landesmeister Walther Furthmann (Strande). Auch Titelverteidiger Christoph Nielsen (Berlin) findet nach und nach zurück in die Erfolgsspur und ist inzwischen auf Platz vier angekommen.
Weltmeisterschaft der Laser 2
Bei der Weltmeisterschaft der Laser 2 haben die führenden Lisa Buddemeier/Matthias Düwel (Kiel) nach einer bis dahin souveränen Serie einen Dämpfer einstecken müssen. „Wir wissen nicht, was da los war. Da hat wohl was am Schwert oder Ruder gehangen, und wir sind von Platz vier auf zehn zurückgefallen“, berichtete Vorschoter Düwel. In der Gesamtwertung ist das Duo nach vier Tagessiegen aber weiterhin deutlich an der Spitze: „Es wäre schon toll, wenn wir nach dem EM-Titel vom vergangenen Jahr nun den WM-Titel feiern könnten. Aber sicher ist so etwas nie, und vieles hängt von der Tagesform ab. Daher haben wir vorher auch noch intensiv das Revier getestet. Allerdings hatten wir dabei ganz andere Windverhältnisse als jetzt“, so Düwel.
Weltmeisterschaft der International Canoe
Die vierte Weltmeisterschaft der Travemünder Woche sieht weiterhin den US-Amerikaner Chris Maas an der Spitze. Der Mann aus Übersee beherrscht die spektakuläre Klasse der International Canoe mit dem charakteristischen Ausreitsitz in Perfektion und fuhr bereits fünf Siege in den sieben Wettfahrten ein. Die beiden anderen Siege schnappte sich der Oldenburger Peter Ullmann, der damit ärgster Verfolger von Maas bleibt. Der Titel der Nordea Moth-Europameisterschaft scheint nach drei von fünf Regattatagen so gut wie vergeben. Während der Brite Chris Rashley Tagessieg an Tagessieg reiht, nehmen sich die Verfolger gegenseitig die Punkte ab.
Mittendrin im Medaillenkampf steckt als Zweiter auch noch der Budenheimer Markus Steeg, der nach einem Patzer zum Auftakt inzwischen beständig Top-Ten-Platzierungen einfährt. Die Boote der Konstruktionsklasse entwickeln sich rasant weiter. Das musste auch der Olympia-Dritte im 49er von 2008, Hannes Peckolt, erfahren. Der Kieler hat sich eine wenige Jahre alte Motte zugelegt und steckt damit im Mittelfeld fest: „Mit meinem ,Bladerider‘ kann ich zwar viel Spaß haben, gegen die neuen ,Mach2‘ habe ich aber keine Chancen.“
Zu einem knallharten Kopf-an-Kopf-Rennen Deutschland gegen Großbritannien entwickelt sich die Javelin-EM. Nach sieben Wettfahrten liegen nun die Braunschweiger Jens und Jan Schlittenhard punktgleich vor den Briten Brian und David Earl. Beide Teams haben drei Tagessiege, zwei zweite Plätze und einen dritten Rang in der Wertung. Wechselhaft begann die 29erXX-EM für die Schwestern Jule und Lotta Görge aus Kiel. Nach einem Sieg zum Auftakt kassierten sie später deutliche Dämpfer und rangieren nun auf Platz drei. Ganz vorn weht der dänische Stander von Jeanine Olrik/Frederikke Graversen. Der Einstieg in die Wettbewerbe der Katamaran-Klassen verlief ganz nach den Erwartungen. Während die Brüder Helge und Christian Sach (Zarnekau) mit einem Doppelsieg in der F18-Klasse auf ihren 17. Travemünder Woche-Sieg zusteuern, führen Roland und Nahid Gäbler ebenso eindeutig bei den Tornados. Nachdem das Ehepaar im vergangenen Jahr vor Travemünde die Weltmeisterschaft gewonnen hat, will es nun den Titel als Internationaler Deutscher Meister. Deutschen Meister-Lorbeer haben auch Christopher Ossenkopp (Hannover) bei den Erwachsenen in der Taifun-Klasse und Leif Niklas Junge/Viktor Kopp (Schellhorn) bei den Jugendlichen im Visier. Und bei den gerade begonnenen Regatten der 29er und den olympischen Lasern liegen die Spanier Carlos Robles/Florian Trittel (29er) und Marco Grasse (Berlin) im Laser in Führung.

