Spannung bleibt in Göteborg
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Der hafen der VO 60s in Göteburg am frühen Donnerstagmorgen (Foto © Rick tomlinson/ volvooceanrace) |
Die Entscheidung über den Gesamtsieg beim Volvo Ocean Race
Round the World 2001-2002 wurde in Göteborg/Schweden nochmals vertagt. Im
spannendsten und knappsten Zieleinlauf in der 29-Jährigen Geschichte der
härtesten Segelregatta der Welt wurde die gesamtführende Leverkusener
Hochseeyacht „illbruck“ in der Nacht zu Donnerstag knapp geschlagen
Vierte. Die schwedische „Assa Abloy“ siegte nach rund 1.150 Seemeilen vor
La Rochelle/Frankreich mit ganzen zwei Minuten und 16 Sekunden vor der
„Tyco“ (Bermudas) und weiteren 100 Sekunden vor der „News Corp“
(Australien). Damit verkürzte sich der Vorsprung der „illbruck“ im
Gesamtklassement auf fünf Punkte. Beim großen Finale am 8./9. Juni von
Göteborg nach Kiel muss das deutsche Boot mindestens Fünfter werden, um
die Trophäe „Fighting Finish“ beim Heimspiel aus eigener Kraft sicher mit
nach Hause zu nehmen.
Müde Augen – wenig Schlaf
Sie hatten rötlich entzündete Augen, schrubbelige Vier-Tage-Bärte und
einen ziemlichen Sonnenbrand. Angespannt und aufgedreht, zugleich
hundemüde und total erschöpft standen die Segler der „illbruck“ an Deck,
als sie gegen zwei Uhr morgens unter Feuerwerk und frenetischen Jubelrufen
der Angehörigen in den Werfthafen von Eriksberg einlief. So lange hatten
sie nach dem Zieleinlauf um exakt 0.11 und 55 Sekunden warten müssen, bis
die Schlange am Ankunftsponton abgebaut war. Die Enttäuschung über den
vierten Platz war nicht zu verhehlen. „Wir haben alles gegeben, aber nicht alles gewonnen“, meinte Steuermann und Segeltrimmer Richard Clarke aus
Kanada. 30 Stunden hatte er nicht geschlafen, und wollte am liebsten nur
noch ins Bett.
Nicht eben erholter sahen die Gegner aus. Noch tiefer saß der Frust bei
der „Amer Sports One“ (Finnland/Italien). Sie hatte die Etappe zwei
stürmische Tage lang vor der „illbruck“ angeführt, ehe beide gemeinsam
eine Halse zu früh fuhren und zurückfielen. Am Ende zog Grant Dalton auch noch um eine Minute und 33 Sekunden den Kürzeren gegen die „illbruck“ und
musste auch alle theoretischen Hoffnungen auf die beiden ersten Plätze
begraben. Stattdessen wird es vor Kiel einen dramatischen Dreikampf um
Platz drei geben, den mit der „Amer Sport One“ haben auch „Tyco“ und „News
Corp“ 40 Zähler auf ihrem Konto. Enttäuschend lief die Etappe genau wie
das gesamte Rennen für die „SEB“ (Schweden/6.), die „djuice“ (Norwegen/7.)
und die Frauen der „Amer Sport Too“, die am Donnerstag Vormittag immer
noch auf See waren.
Vier Tage und vier Nächte hatten die Männer von der atlantischen Küste von
La Rochelle gebraucht. Zu keiner Zeit verloren sich die Gegner aus den
Augen. Niemals zuvor lagen die Yachten bei einer Etappe rund um die Welt
bis zum Schluss so dicht zusammen. Nur sechs Minuten und 40 Sekunden
trennten die ersten fünf Boote in Ziel. „Es war eine harte Etappe, die wir
genauso gut hätten gewinnen aber auch als Sechster beenden können“, meinte
Skipper John Kostecki. Mit der Gesamtführung von fünf Punkten sei er
glücklich. Kostecki: „Das ist eine gute Ausgangsposition für Kiel“. Gold
und Silber sind nun bereits an die ewigen Konkurrenten vergeben; die Frage
bleibt nur, wer kriegt die Krone?
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Juan Vila Illbruck-Navigator |
Illbrucks Navigator Juan Vila mit einem der traditionellen schwedischen Blumenkranz ( Foto © Rick Ttomlinson)
Die Rechenspiele:
Wird „illbruck“ Fünfter oder besser, geht die
Kristalltrophäe nach Punkten nach Leverkusen. Siegt „Assa Abloy“ und dem
grün-weißen Boot bleibt nur der sechste Platz, wären sie punktgleich. Dann
zählt die sogenannte Majorität der Plätze. Und dabei hätten die Schweden
einen, ihren einzigen dritten Platz mehr, der zum Sieg reichen würde. Wird
„Assa“ Zweiter, reicht „illbruck“ der siebte und vorletzte Platz, denn bei
der Punktgleichheit würden vier Etappesiege gegenüber drei den Ausschlag
geben. Landen die Schweden in Kiel auf dem dritten Rang, dürfen
Kostecki&Co. nur nicht disqualifiziert werden, denn das gäbe null Punkte.
Also hat illbruck Challenge nach wie vor die besseren Karten und die
Entscheidung selbst in der Hand.
Kommentare der Crew
Navigator Juan Vila fasste es als Erster wieder positiv zusammen: „Wir
hatten einige Chancen, weiter vorne zu landen. Die haben wir nicht
genutzt. Aber wir wussten von vornherein, dass es nicht leicht werden
würde. Doch jetzt machen wir es halt in Kiel klar.“ Davon war auch der
Münchener Vorschiffsmann Tony Kolb überzeugt. Allerdings wurde er
nachdenklich bei der Fehleranalyse: „Es haben nicht alle Segelwechsel
geklappt, und wir waren auch manchmal zu langsam.“ Allein ein dritter
Platz auf dem Podium hätte ihm gereicht, um guten Mutes die Strapazen zu
vergessen. 14 vielleicht 15 Stunden habe er auf der gesamten Etappe
geschlafen. „Wie waren alle furchtbar müde“, gab auch Kostecki zu.
„Es lief an sich gut und wie geplant. Wir waren heute morgen direkt hinter
‚Assa’ Zweiter. Doch viel Pech mit Seegras am Kiel, das Tony in der kalten
Nordsee schwimmend entfernen musste, hat uns stark gebremst. Hinzu kamen
eine paar Manöverprobleme und taktische Fehler“, so der Skipper weiter.
„Nun haben wir den zweiten Platz schon in der Tasche und ich bin sicher,
am Ende wird es noch besser kommen.“ Das Finale steigt am Sonnabend, dem
8. Juni, um 14 Uhr in Göteborg und endet am nächsten Tag voraussichtlich
gegen Mittag oder frühen Nachmittag in der Kieler Innenförde an der
Blücherbrücke.
Die Crew der „illbruck“ auf der achten Etappe:
Stuart Bannatyne
(Wachführer), Stu „Waffler” Bettany (Vorschiff), Mark “Crusty” Christensen
(Wachführer), Richard Clarke und Ray “Hooray” Davies
(Segeltrimmer/Steuermann), Dirk “Cheese” de Ridder (Segeltrimmer), Noel
“Nitro” Drennan (Segeltrimmer/Steuermann), Jamie Gale/Mast, Ross “Rosco”
Halcrow (Segeltrimmer und Segelprogramm-Manager), Tony Kolb (Vorschiff)
sowie Skipper John Kostecki und Navigator Juan Vila.
Vorläufiger Gesamtstand nach acht von neun Etappen:
1. illbruck (Leverkusen) 54 Punkte
2. Assa Abloy (Schweden) 49
3. Amer Sports One (Finnland/Italien) 40
4. News Corp (Australien) 40
5. Tyco (Bermudas) 40
6. SEB (Schweden) 29
7. djuice (Norwegen) 25
8. Amer Sports Too (Finnland/Italien) 11
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