Segeln zwischen Adlern und Killerwalen

05. Oktober 2004 - Fragen Sie doch einmal in Ihrem Bekanntenkreis bei den weit gereisten Freunden: Wo hat es Euch am besten gefallen? Sehr häufig werden Sie den Westen Kanadas als Antwort bekommen. Keine Angst, ich werde nicht vom Verkehrsamt von British Columbia – so heißt diese kanadische Provinz – bezahlt. Ich war nur gerade dort und kann brühwarm berichten.

Eine Bucht bei den Vancouver Islands (Foto British Columbia Travel Guide www.bctravel.com)

Mit Lufthansa nach Vancouver dauert der Flug 9 Stunden und kostet so viel wie 4 Stunden nach Zypern. Vancouver soll die schönste Großstadt der Welt sein (ich finde zwar Sydney einen Tick besser), morgens kann man skilaufen, mittags golfen und abends segeln (im Juni ist es bis 22.00 Uhr hell), nachts City-Leben genießen. Wer sich aber ganz aufs Segeln oder Motorboot fahren konzentrieren will, der hat im schönen Vancouver einen idealen Ausgangshafen.

 

In nur einem Nachmittagsschlag ist man bei den Gulf Islands. Hunderte kleiner und kleinster Inseln liegen zwischen dem Festland und Vancouver Island. Achtung: Gewöhnen Sie sich gleich an die Namensgleichheit. Vancouver heißt die Weltstadt auf dem Festland, wo Hollywood wegen der niedrigeren Preise viele seiner Filme drehen lässt, und Vancouver heißt auch die 15 Flugminuten und zwei Fährstunden entfernte ca. 220 Seemeilen lange Insel. Hier auf Vancouver Island liegt auch die Hauptstadt Victoria von British Columbia, eine etwas verträumte Stadt mit viel Wasser und vielen Booten und Yachten.

 

 

 

Karte Vancouver Islands

 

 

Das Segelgebiet

 

So, jetzt aber zum Segeln. Man braucht schon einen Urlaub, um all die Gulf Islands zu besuchen oder die große Insel Vancouver, mit all ihren attraktiven Buchten zu umrunden. Man segelt eine halbe Stunde zur nächsten Bucht, zur nächsten Insel. Wer will, plant einen ganzen Tag, segelt zu weiter entfernten Inseln und Flussmündungen. Eine Nacht ankert man alleine in einer Bucht, die andere Nacht verbringt man in einer Marina, dann an einem Besuchersteg eines Restaurants oder vielleicht im Hafen von Victoria, wo stets eine handvoll klassischer Holzyachten liegt. Hier lohnt sich übrigens der Besuch des Maritime Museums mitten in der Stadt. Denn hier steht der restaurierte Einbaum – umgebaut zum kleinen Segler –, mit dem der deutschstämmige John Claus Voss Anfang des 20. Jahrhunderts bis nach London gesegelt ist (siehe seine Buch ‚Die Reisen des Kapitän Voss’). Es war nach Joshua Slocums erster Weltumseglung die zweite ganz große Fahrt mit einer winzigen Yacht.

 

 

Segeln im Paradies mit Ottern und Adlern

 

Wer in diesem Revier segelt, fühlt sich in einem Segelparadies. Meist sind die Winde moderat, oft wünscht man sich ein wenig mehr. Aber im Süden von Vancouver Island kann es auch schön blasen. Wer will, kann durch die Strasse von Juan de Fuca in die wenige Seemeilen entfernten USA segeln. Hier erschließt sich der ebenfalls traumhafte Puget Sound mit grünen Inseln und weißen Schneegipfeln in der Ferne.

 

Besonders im kanadischen Revier der Gulf Islands und auf Vancouver Island kommen Naturfreunde auf ihre Kosten. Nicht nur die dünn besiedelten Inseln - viele auch unbewohnt -, die üppige Bewaldung, die Einsamkeit, die romantischen Ankerplätze, die klare, frische Luft und die ungewohnte Tierwelt bleiben unvergesslich.

 

Bald hat man die ersten Adler entdeckt, Otter schauen einen neugierig aus dem Uferwasser an, Seehunde starren unvermutet aus dem Wasse und überall erfreuen den Segler die lustig wirkenden Tümmler. Und dann natürlich die schwarz-weißen Orcawale, auch Killerwale genannt, die besonders an der Westküste von Vancouver Island zu bewundern sind.

 

Man segelt hier nur tagsüber und das mit wachem Auge. Schon am ersten Tag werden Ihnen die vielen Baumstämme auffallen. Sie stammen meist aus den Holzfällercamps an den großen Flüssen, werden ins Meer getrieben und liegen überall am Ufer der meisten Küsten. Man nennt sie driftwood, Treibholz. Sie haben schon manches Boot beschädigt und sind besonders gefährlich, wenn sie sich voll Wasser gesogen haben und fast senkrecht im Wasser driften. Tagsüber sieht man die wenigen Stämme und kann ihnen sicher ausweichen. Hinzu kommt ein Tidenhub von ca. 2,5 m, der zwischen den Inseln z.T. für einen kräftigen Strom sorgt. Deshalb gehört die Lektüre des Tidenkalenders zur morgendlichen Skipperpflicht.

 

 

Flugzeuge zwischen den Yachten

 

Und noch eine Kuriosität dieses Reviers: Wasserflugzeuge. Wir ankerten im Hafen von Ganges, dem verträumten Hauptort von Salt Spring Island. Plötzlich nähert sich unserem Schiff ein stärker werdendes schrilles Geräusch. Ich hechte den Niedergang hoch und schon landet neben uns und zwischen den zum Regattastart tuckernden Yachten das morgendliche Wasserflugzeug nach nur 20-minütigem Flug von Vancouver kommend (ca. 70 Euro).

Ich könnte Ihnen berichten, dass die Natur überwältigend schön ist, dass das Segelrevier nicht überlaufen ist, dass die Tierwelt allein schon diese Anreise wert ist. Aber ich möchte Ihnen zum Abschluss noch etwas über die Menschen hier sagen. Merkmal: überaus freundlich, ungewohnt hilfsbereit und, wie wir das bei Amerikaners schon kennen, immer direkt. Man macht kein langes Brimborium um soziale Unterschiede, Anreden oder gar Titel. Man duzt sich sofort, was uns Seglern ja sehr entgegen kommt. Also rundum: British Columbia ist eine Reise wert.

Wie finden Sie kanadische oder amerikanische Charteranbieter? Wenn Sie im Internet unter ‚yacht charter British Columbia’ oder ‚yacht charter USA Northwest’ in einer der Suchmaschinen nachschauen, z. b. bei Googles, dann erhalten Sie eine große Auswahl.

Klaus Hympendahl

Nun werden Sie fragen, alles kann doch nicht nur super sein, wo liegt denn das Haar in der Suppe? Genau hier, in der Suppe, im Essen. Es ist zwar gut und schmackhaft, aber...bei Muttern schmeckt es besser und beim Italiener um die Ecke auch.

 

Klaus Hympendahl

In seinem neuen Buch über Yacht-Piraterie, das im Herbst erscheint, beschreibt der sorgfältige Rechercheur die neuen Gefahren für Yachtsegler in aller Welt.

 

Die Bücher von Klaus Hympendahl:

El Nino – wenn das Meer brennt

Logbuch der Angst, Der Fall Apollonia –Segelbuch des Jahres !

"Yacht-Piraten – die neue Gefahr" erscheint im Herbst (alle bei Delius Klasing)

Lesen Sie dazu auch:

Neue Bücher: Logbuch der Angst

Einige Beispiel-Adressen zum Chartern in Vancouver:

Mehrere Anbieter auf der website:

www.bcboatcharter.ca

und

abc yachtcharters

Informationen zum Segelgebiet:

 

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