Route du Rhum: Höllisch - wieder Orkan!

14. November 2002 - Philippe Monnet musste seinen 18-Meter-Tri Sopragroup aufgeben, er wurde mit dem Hubschrauber abgeborgen. Er befand sich mit dem Tri, der sich überschlagen hatte, bei höllischen Seebedingungen genau in der Schifffahrtslinie. Loick Peyron auf Fujifilm, dessen Steuerbord-Schwimmer Mittwoch gebrochen war, musste ebenfalls inzwischen sein Schiff aufgeben – es begann, komplett zu zerbrechen. Von den 58 Startern mussten nach der vergangenen Nacht und den letzten zwei Tagen im Orkan vor Portugal ( 75 Knoten Wind !!) inzwischen 17 aufgeben ... die Route du Rhum wird ihrem Ruf als härteste Transatlantikregatta gerecht.

Conrad Humphreys auf dem 40-Fuss-Boot Hellomoto hat diese Nacht gefunkt, das sein Schiff entmastet wurde. Er ist nicht verletzt und will nach Spanien oder Portugal zurücksegeln. Die Führenden Open60s nähern sich jetzt (Ellen MacArthur an der Spitze) den Azoren – und sie haben Windvorhersagen von 50 Knoten!

Allein vier der großen Trimarane überschlugen sich in den beiden vergangenen tagen und bleiben kopfüber liegen. Philippe Monnet (Sopragroup) beschrieb die See und den Wind als "dantesk", oder einfacher gesagt: unwirklich, höllisch. Und Monnet hält den Rekord auf der Einhand-Nonstopp-Fahrt gegen Wind und Strom um die Welt ... Auch Loick peyron beschrieb die see als "völlig weiss" – alle beschrieben den Orkan mit Böen bis zu 75 Knoten – das ist Windstärke 13, mehr als 140 km/ h - Wirbelsturm ...

 

Philippe Monnet wurde inzwischen in Spanien abgesetzt. Monnet wollte sich auf seinem kopfüber treibenden Schiff, das bei hoher See steuerlos mitten in der Schifffahrtsroute treibt, nicht der Gefahr einer Kollision aussetzen. Auch Peyron von Fujifilm ist inzwischen auf einem Frachter auf dem Weg zum Land – sein Team versucht, den auseinanderbrechenden Trimaran noch zu retten.

 

Bayer CropSciences mit Fred le Peutrec war nach der Reparatur seiner Autopiloten wieder gestartet – und zurück in den Spanischen Hafen gefahren: Bei der Vorhersage von 50 bis 60 Knoten Wind wäre es unverantwortlich gewesen, hinaus zu gehen, meinte er.

 

Ellen vorn – 50 bis 60 Knoten Orkan drohen!

 

Nach harten Nächten und Sturm mit durchstehenden 45 Knoten übernahm gestern abend die 26-jährige Brtitin Ellen MacArthur auf Kingfisher die Spitze bei den Open60's Monohulls. Sie setze sich damit vor Mike Golding (der gerade vor zwei Tagen Vater geworden ist) auf Ecover und ihren harten Konkurrenten Jourdain auf "Sill". Der wird Madeira anlaufen, um sein Großsegel, das sich in einer Orkanböe verdreht hatte und nicht mehr ausreffbar ist, dort zu reparieren.

Der 71-jährige Mike Birch, der vor 25 Jahren die erste Route du Rhum fast gewann, liegt mit seinem Open60 zurzeit auf dem 12 Platz !

 

Zu filigran?

Zur Erinnerung: Bei harten Bedingungen kam bei der Route du Rhum 1986 nur die Hälfte der Flotte in der Karibik an! Doch die manchmal filigran scheinenden Tris sind bereits beim Atlantikrennen Course de Phares hart getestet worden – wobei fast alle ausfielen. Vielleicht sind die Belastungen auf den Streben und den Schwimmern bei dem hohen Tempo und den kompromisslosen Segeln der Profis doch zu hoch für diese Bauweisen. Zudem wiesen Werftleute auf eine weitere Belastung hin : Die Materialien wie Schoten und Fallen aus Dynema, die Kevlar-Segel und andere harten Materialien wie Carbon halten längerem und härterem Druck stand als frühere Baustoffe. Dadurch wird die Belastung der Rümpfe und versteifender Streben auch wesentlich härter. Und mit diesem weit höherem Druck gibt es noch nicht so viele Erfahrungen ...

 

Lesen Sie dazu:

 

75 Knoten – Tris in Not!

 

Route du Rhum: Bruch, Bruch, Bruch

 

Drama am ersten Tag

 

Route du Rhum

 

Transatlantik, dem Rum hinterher mit der Vorstellung der prominentesten Teilnehmer

 

Liste der Teilnehmer

 

Die website der Route du Rhum:

 

www.routedurhum.org in Französisch und Englisch.

 

 

Fakten der Route du Rhum

 

Läuft seit 1978 ( Teilnehmer damals unter anderem Mike Birch, der jetzt wieder dabei ist mit 71 Jahren !) alle vier Jahre. Sie geht über 3540 Seemeilen von St. Malo in Nordfrankreich nach Pointe a Pitre auf Guadeloupe (Karibik) und dauert zwischen 16 und 18 Tagen (die schnellen Tris sind in rund 13 Tagen dort). 2002 sind 59 Konkurrenten dabei, allein 17 berühmte Namen in der Open60-Klasse. Den Rekord bei den Einrumpfyachten hält seit 1994 (!) Yves Parlier auf Cacolac d'Aquitaine mit 15 Tagen 19 Std. und 23 Minuten.

 

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