Entscheidende Nordsee

25. Mai 2002 - Heute um 17 Uhr startet die achte Etappe des Volvo Ocean Race: Von La Rochelle um die Bretagne herum durch den Kanal und quer über die Nordsee nach Göteborg / Schweden. Für die insgesamt führende Leverkusener "Illbruck" kann es die entscheidende Etappe werden: Gewinnt sie, hat sie die Weltregatta im Segelsack. Allerdings werden die 1160 Seemeilen keine leichte Übung für die Weltumsegler: Ein kräftiges Sturmtief, die Tidenströme und die schwierigen Schifffahrts-Verhältnisse werden die Navigatoren kaum schlafen lassen. Die "Illbruck" hat einen neuen Wetterstrategen und Taktiker an Bord.

Die in Leverkusen gebaute "Illbruck" vom DYC steht vor der entscheidenden Etappe (Foto © Daniel Forster / illbruckChallenges com.)

Der US-Amerikaner Ed Adams wird die Crew der Leverkusener

Hochseeyacht „illbruck“ auf der vorletzten und vielleicht schon

entscheidenden Etappe des Volvo Ocean Race Round the World als Taktiker

und Wetterstratege verstärken. Mit der Neubesetzung will Skipper John

Kostecki den besonderen Anforderungen der Kurzstrecke Rechnung tragen.

illbruck Challenge liegt in der Gesamtwertung der härtesten Segelregatta der Welt mit acht Punkten vor „Assa Abloy“ (Schweden) in Führung und könnte bereits für eine vorzeitige Entscheidung sorgen.

 

Starboot-Segler Ed Adams

„Wir waren über unsere Leistungen auf den bisherigen kürzeren Etappen

etwas enttäuscht“, erklärte Kostecki den Wechsel, „Ed Adams soll mit

seinen Fähigkeiten diese Schwäche ausmerzen.“ Der 45-Jährige war selbst

Starboot-Weltmeister, Coach der Starboot-Olympiasieger von Sydney 2000 und

ist Amercia’s Cup-erfahren. Adams gehörte bereits während der

Vorbereitungszeit zum illbruck Challenge-Team. Mit ihm gewann die

Mannschaft das Fastnet Race 1999. Familiäre Gründe bewogen Ed Adams dann,

nicht mit um die Welt zu gehen.

Seine Rückkehr ins Teams kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt. Denn die

achte Etappe verspricht, eine der anspruchsvollsten überhaupt zu werden.

Nicht nur der Kurs von La Rochelle durch die Biscaya an Brest vorbei in

den Englischen Kanal, und von dort durch die Nordsee in den Skagerak zu

einer Bahnmarke südlich von Norwegen bis ins Ziel nach Göteborg birgt jede

Menge Schikanen. Auch die Wettervorhersage hat es in sich: Ein kräftiges

Sturmtief westlich von Irland wird mit seinen Fronten durch das Feld

ziehen. Hinzu kommt eine starke Gezeitenströmung und lebhafte

Berufsschifffahrt an zahlreichen Engpässen.

 

Wettervorhersage

„Schon am Sonnabend Abend erwarten wir stürmische Südwest-Winde mit

schweren Sturmböen“, sagt illbruck Challenge-Meteorologe Chris Bedford.

Hinzu kommt eine hohe Dünung, die sich seit Tagen in der Biscaya aufgebaut

hat. Diese Bedingungen könnten die Yachten bereits am Donnerstag (30. Mai)

vor die schwedische Küste tragen, wo dann nochmals leichte Winde die

Karten neu mischen dürften. „Die taktischen Herausforderungen sind immens

“, meint Skipper Kostecki, „wir müssen auf der Hut sein.“ Sein Augenmerk

gelte natürlich dem härtesten Verfolger, „Assa Abloy“, „aber zunächst

müssen wir unser eigenes Rennen segeln.“

 

Hat die "Illbruck" schon gewonnen ?

Wenn die „illbruck“ die Schweden erneut schlägt, steht das Leverkusener

Boot als erster deutscher Gesamtsieger in der 29-Jährigen Geschichte des

Round the World Race vorzeitig fest. Hat die „Assa Abloy“ den Bug vorn,

beginnt das große Rechnen. Mindestens ein weiteres Boot müsste sie

zwischen die „illbruck“ und sich bringen, um das Rennen bis zur letzten

Etappe offen zu halten. Denn kämen Kostecki & Co. direkt hinter der „Assa“

ins Ziel, zum Beispiel als Zweiter, könnten die Schweden im Schlussspurt

nur noch nach Punkten gleichziehen. In dem Fall zählt jedoch die

sogenannte Majorität der Plätze (Wer hat mehr Erste, Zweite und so

weiter). Und da behielte „illbruck“ mit vier Siegen und einem zweiten Rang

bislang gegenüber zwei Siegen und einem Zweiten der „Assa Abloy“ das

bessere Konto.

„Wir wollen uns auf diese Rechenspiele gar nicht einlassen“, so Kostecki

weiter, „unser Ziel ist ein Platz auf dem Podium in Göteborg.“ Damit

würden die Chancen der Gegner höchstens noch theoretischer Natur sein. Der

neue 24-Stunden-Weltrekords, den die „illbruck“ mit 484 Seemeilen am 30.

April während der vorigen Etappe aufgestellt hatte, motiviert die

Mannschaft zusätzlich. „Wir wissen, dass wir schnell sind und das Boot

auch in Extremsituationen im Griff haben“, sagte ein selbstbewusster

Vorschiffsmann Tony Kolb. Für den 25-Jährigen Münchner wäre ein Sieg beim

Volvo Ocean Race der größte Erfolg in seiner noch jungen Karriere.

 

Die Crew der „illbruck“ auf der achten Etappe:

Ed Adams (Taktiker), Stuart Bannatyne (Wachführer), Stu „Waffler” Bettany (Vorschiff), Mark “Crusty” Christensen (Wachführer), Richard Clarke und Ray “Hooray” Davies (Segeltrimmer/Steuermann), Dirk “Cheese” de Ridder (Segeltrimmer), Jamie Gale/Mast, Ross “Rosco” Halcrow (Segeltrimmer und Segelprogramm-Manager), Tony Kolb (Vorschiff) sowie Skipper John Kostecki und Navigator Juan Vila.

Gesamtstand nach sieben von neun Etappen:

1. illbruck (Leverkusen) 49 Punkte

 

2. Assa Abloy (Schweden) 41

 

3. Amer Sports One (Finnland/Italien) 36

 

4. News Corp (Australien) 34

 

5. Tyco (Bermudas) 33

 

6. SEB (Schweden) 26

 

7. djuice (Norwegen) 23

 

8. Amer Sports Too (Finnland/Italien) 10

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