Boot 2010 - das Wellental liegt hinter der Branche21. Januar 2010 - Im Wirtschaftsjahr 2008/2009 hat die europäische Bootsindustrie die weltweite Konjunkturkrise im vollen Umfang zu spüren bekommen. Der deutsche Markt hat sich in dieser schwierigen wirtschaftlichen Situation besser behauptet als die meisten übrigen europäischen Wassersportmärkte. Für das Kalenderjahr 2009 erwartet die Bootsbranche einen Umsatzrückgang von rund 30%. Segel- und Motorboote sind gleichermaßen betroffen. Deutlich konjunkturstabiler zeigen sich die Bereiche Ausrüstung/Zubehör, Reparatur/Service und Wassertourismus.

Urlaub an der Müritz, hier in Waren - immer noch beliebt und gebucht. (Foto (C) Jo Achim Geschke)

Die rund 490.000 deutschen Bootseigner investieren auch weiterhin in den Werterhalt ihrer Boote und Yachten. Der Chartermarkt profitiert vom allgemeinen Trend, die schönsten Tage des Jahres in heimischen Gefilden zu verbringen. So sind insbesondere die in Deutschland stationierten Flotten gut gebucht.
Die Konjunkturumfrage des Verbandes zur Jahresmitte bestätigt diese Einschätzung. 71,8% der Unternehmen im Ausrüstungs-bereich (Service/Wartung 80,6%; Charter 68,8%) beurteilen die Geschäftslage gleich gut oder besser im Vergleich zum Vorjahr. Im Bereich der Neuboote teilen lediglich knapp ¼ der befragten Unternehmen diese Einschätzung.

Insgesamt betrachtet rechnet der Bundesverband Wassersportwirtschaft für das Jahr 2009 mit einem Gesamtumsatz von 1,65 Mrd. Euro für den deutschen Wassersportmarkt. Dies bedeutet einen Umsatzrückgang von 10,5% im Vergleich zum Vorjahr.
 
Importe/Exporte


Entsprechend der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung ist das Exportvolumen deutlich geschrumpft. Im ersten Halbjahr 2009 wurden insgesamt 642 Segelboote im Wert von 61,5 Mio. € sowie 740 Motorboote im Wert von 56,2 Mio. € exportiert. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bezogen auf den Wert einen Rückgang von 66,5% bei Segel- und 62% bei Motorbooten.
Im Bereich der Importe ist der Rückgang nicht ganz so groß ausgefallen. Im ersten Halbjahr 2009 wurden Segelboote im Wert von 13 Mio. € (1-6/2008: 23,5 Mio. €) sowie Motorboote im Wert von 59,4 Mio. € (1-6/2008: 97,8 Mio. €) eingeführt. Dies entspricht einem Rückgang von 44,3% bei Segel- und 39,2% bei Motorbooten.

Neue Bootskonzepte und sinkende Gebrauchtbootpreise können den Markt beflügeln


Das Interesse am Bootssport ist ungebrochen. Mindestens 6 Millionen Menschen haben ein konkretes Interesse am Segeln und Motorboot fahren. Dennoch gelingt es derzeit nur unzureichend, dieses Potenzial für die Branche zu erschließen. Nach einer Studie* des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft ist es der Branche in den 70er und 80er Jahren gelungen, 2,5 – 3% eines jeden Jahrganges für den Bootssport zu gewinnen. Dieser Wert hat sich in den letzten Jahren auf 1 – 1,5% reduziert. Das Durchschnittsalter der Bootsbesitzer hat sich entsprechend dieser Entwicklung inzwischen auf 56 Jahre erhöht.


•  Ergebnisse der Studie „Strukturen im Bootsmarkt“

Junge Familien der Altergruppe 25/40 stellen daher für die zukünftige Entwicklung die wichtigste Zielgruppe dar.
Die Forschungsergebnisse der Studie zeigen außerdem ein großes Interesse an kleineren, für Wochenendtörns nutzbaren Booten. 50% der Segelboote beispielsweise entfallen auf die Bootsklasse 5,5 – 8,5 m Länge. Bootsgrößen, die derzeit kaum ein Serienboothersteller im Programm hat.
Die Chancen stehen nicht schlecht, dass zukünftig wieder mehr junge Menschen für den Bootssport begeistert werden können. Der Prozess des Umdenkens hat begonnen. So hat HanseYachts AG angekündigt, zukünftig preiswerte, trailerbare Daysailer und Weekender ins Produktionsprogramm aufzunehmen. Dies kommt nicht nur dem Freizeitverhalten und Finanzbudget junger Familien entgegen sondern fördert auch eine frühzeitige Markenbindung.
Eine weitere Entwicklung sollte den Einstieg in den Bootssport begünstigen. Bereits heute haben sich die Gebrauchtbootpreise deutlich reduziert. Diese Entwicklung wird sich durch die mit der demographischen Entwicklungen einhergehenden Vergrößerung des Gebrauchtbootmarktes weiter verstärken und einen preiswerten Einstieg in den Bootssport ermöglichen.

Aussichten


Alle Anzeichen sprechen dafür, dass die Talsohle im Bootsbereich durchschritten ist. Dennoch ist eine durchgreifende Erholung trotz leicht verbesserter allgemeiner Konjunkturdaten noch nicht in Sicht. Entsprechend zurückhaltend fällt die Einschätzung der Unternehmen aus: lediglich 46,6% (Vorjahr: 56,2%) glauben, dass sich die Konjunktur mittelfristig gleich gut oder besser als im Vorjahr entwickeln wird.
Die weitere Entwicklung wird auch davon abhängen, ob die Banken ihrer Aufgabe Wirtschaft und Verbraucher mit liquiden Mitteln auszustatten, zukünftig wieder nachkommen werden. Vor diesem Hintergrund spielen Warenbestands- und Absatz-finanzierungskonzepte von Banken oder Herstellern eine große Rolle.
Dennoch geht die Branche mit Schwung und Optimismus auf die boot 2010. Die Faszination Wassersport insgesamt, aber auch neue innovative Bootskonzepte sowie preislich attraktive Sondermodelle werden dem Markt neue Impulse geben.
Bundesverband Wassersportwirtschaft e.V.