Auf zum letzten Start

08. Juni 2002 - Mit einem noch offenen Endresultat wird sich die aus acht Yachten bestehende Volvo Ocean Race Flotte heute um 15 Uhr deutscher Zeit zum neunten und letzten Mal zum Kampf um jeden Meter aufmachen. Mit dem Startschuss zur kürzesten Etappe über nur 250 Seemeilen nach wird einer der härtesten Wettkämpfe am Wasser beginnen. Es geht um das Endresultat dieser 32.000 Seemeilen langen Weltregatta, darum,wer die Prestigeträchtigste Trophäe des Hochseeregattasportes mit nach Hause wird nehmen dürfen. Siegt die Leverkusener "Illbruck" oder die schwedische "Assa Abloy" ?

Die "Illbruck" will gewinnen ( Foto © Rick Tomlinson/ volvooceanrace)

Innerhalb der Flotte werden einige private Matches ausgefochten. Zuerst ist

da das Duell zwischen der derzeit führenden illbruck mit 54 Punkten gegen

ASSA ABLOY von Schweden mit 49 Punkten. ASSA ABLOY hat als einzige Yacht die Chance illbruck auf dieser Etappe als Gesamtsieger zu entthronen und den Pokal für den Gesamtsieg, die Glasstatue von Waterford Crystal nach Hause zu nehmen.

Das große Finale, die neunte Etappe des Volvo Ocean Race Round the

World, der härtesten Segelregatta der Welt, führt nach Kiel, wo die

Yachten am Sonntag nach dem Mittag erwartet werden. Bei fünf Punkten

Vorsprung geht die Leverkusener Yacht mit einem scheinbar beruhigenden

Vorsprung auf die letzten 218 Seemeilen. Doch Verfolger „Assa Abloy“ hatte

besonders auf den Kurzstrecken seine Stärke bewiesen. Gewinnen die

Schweden auch in Kiel, kann die „illbruck“ allerdings dennoch Fünfter

werden, um den ersten deutschen Gesamtsieg beim Rennen rund um die Welt

mit nach Hause zu nehmen.

 

"Illbruck" will gewinnen

 

„Auf diese Rechnereien wollen wir uns am liebsten gar nicht einlassen“,

meinte „illbruck“-Skipper John Kostecki, „wir wollen besonders dieses

Teilstück gewinnen und als Sieger in die Förde einlaufen.“ Aus eigener

Kraft kann der Gegner eh nichts mehr ausrichten, weshalb Kosteckis Taktik

auch klar feststeht: „Gewinnen wir den Start, werden wie ‚Assa Abloy’

abdecken. Verlieren wir ihn, versuchen wir, am Heck zu bleiben und keine

Schiffe dazwischen kommen zu lassen.“ Denn ein knapper Zweikampf wäre das

beste, was der „illbruck“ passieren könnte. „Assa Abloy“ bliebe höchstens

der kleine Triumph, die Deutschen nochmals besiegt zu haben; in der

Endabrechnung aber hieße es, „illbruck“ bleibt vorn.

Von Nervosität war in beiden Lagern weniger zu spüren, als sicher hinter

den Kulissen herrscht. Die „illbruck“-Crew, die gegenüber der vorigen

Etappe unverändert bleibt und mit zwölf Mann antritt, müsste so schlecht

abschneiden, wie die gesamten 32.500 Seemeilen nicht. Drei vierte Plätze

stehen zu Buche bei vier Siegen und einem zweiten Rang. Das würde bei

einem Sieg der Schweden und Punktgleichheit durch einen sechsten Platz der

„illbruck“ jedoch aufgrund des einzigen dritten Rangs der „Assa“ deren

Gesamtsieg bedeuten. Anders bei einen zweiten Rang von Skipper Neil

McDonald, der seine Taktik der „illbruck“ auf und davon zu fahren, nicht

verraten wollte oder keine wirklich wirkungsvolle hatte. Dann könnte die

„illbruck“ sogar Vorletzte werden und hätte bei 56 Punkten für beide einen

entscheidenden Etappensieg mehr.

Leicht sollen die Winde angeblich werden, sagen die meisten Prognosen,

obwohl am Freitag noch starke Ostböen über die Kieler Bucht fegten. „Wir

haben uns mit der Segelgarderobe auf schwache Winde eingerichtet und das

Boot auch nochmals leichter gemacht“, verriet Kostecki, „die Fehler des

vorigen Legs passieren uns nicht wieder.“ Zuversicht und Konzentration

prägen das Lager der illbruck Challenge. Gegen einen Zieleinlauf am

Vormittag hat die Regattaleitung Extra-Schleifen am Kiel-Leuchtturm

vorgesehen. Es könnte jedoch auch der späte Nachmittag mit dem Zieleinlauf

werden. Egal, ob Kostecki & Co. nun schon mittags den frenetischen Jubel

von mehr als 100.000 Zuschauer entgegen nehmen können, eines ist ihnen

Gewiss: Die Sympathie ihrer Familien, Freunde und Fans wäre ihnen auch

nach einem noch so unwahrscheinlichen zweiten Platz sicher.

 

Die Crew der „illbruck“ :

 

Stuart Bannatyne (Wachführer), Stu „Waffler” Bettany (Vorschiff), Mark “Crusty” Christensen (Wachführer), Richard Clarke und Ray “Hooray” Davies

(Segeltrimmer/Steuermann), Dirk “Cheese” de Ridder (Segeltrimmer), Noel

“Nitro” Drennan (Segeltrimmer/Steuermann), Jamie Gale/Mast, Ross “Rosco”

Halcrow (Segeltrimmer und Segelprogramm-Manager), Tony Kolb (Vorschiff)

sowie Skipper John Kostecki und Navigator Juan Vila.

Gesamtstand nach acht von neun Etappen:

1. illbruck (Leverkusen) 54 Punkte

 

2. Assa Abloy (Schweden) 49

 

3. Amer Sports One (Finnland/Italien) 40

 

4. News Corp (Australien) 40

 

5. Tyco (Bermudas) 40

 

6. SEB (Schweden) 29

 

7. djuice (Norwegen) 25

 

8. Amer Sports Too (Finnland/Italien) 11

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