Americas Cup: Das Problem sind eher die Journalisten - ein Kommentar

08. Mai 2007 - Das deutsche Team liegt weiterhin auf dem zehnten Platz, die Ausscheidungsrennen des Louis Vuitton Cups werden dominiert durch BMW Oracle USA, Emirates Team New Zealand, Luna Rossa Challenge (ITA 94) und Desafío Espanol (ESP 97). Was nervt, sind allerdings die Kommentare in der deutschen so genannten Sportpresse, den Agenturen und Sportagenturen zum Abschneiden des deutschen Teams. Sportredaktionen sind meist Ballspielvereine, die keine Ahnung vom Segeln haben. Diese Berichterstatter würden allerdings keinem Fußballteam vorwerfen, schlecht abzuschneiden, wenn das Fußballteam erst ein halbes Jahr vor dem Start der Bundesliga seine Mannschaft zusammengesucht hätte. Zur Erinnerung: UIT Germany hat knapp vor dem Schlusstermin gemeldet und muss im Vergleich zu anderen Teams mitwenig Geld und Sponsoren und nur einem sehr jungen, spät fertig gewordenen Boot auskommen.

Valencia Louis Vuitton Cup - Round Robin II - UIT Germany beim Spi-Manöver. (Foto © Richard Walch/ United Internet Team Germany)

Die Crux ist doch, dass deutsche Unternehmen eher die Südafrikaner (T-Systems) und die favorisierten Amerikaner (BMW Oracle) gesponsort haben, statt das erste Deutsche Team seit 152 Jahren finanziell reichlich zu unterstützen. Das liegt auch daran, dass das deutsche Fernsehen, egal welcher Sender, und die deutschen Sportjournalisten fast alle keine Ahnung haben, was Segeln auf diesem Niveau bedeutet. Und eher einen so beliebten Massensport wie Curling bringen als einen Bericht über eine Regatta. Das ZDF begann allerdings vor Tagen einen Cup-Bericht mit dem Satz: Es gibt 8 Millionen Segler und Wassersportler in Deutschland.... Ist das nix?

Verbände wie der DSV haben in der Vergangenheit auch wenig dafür getan, in ihrer PR Segeln auf breiter Basis bekannt und beliebt zu machen. Internationales Hochsee-Segeln? Das wird von Franzosen und Briten dominiert, deutsche Namen sind da eher selten bis gar nicht vorhanden. Nur die deutschen Nord- und Ostsee-Regatten (als Hochsee-Segeln klassifiziert) und die Kieler Woche, bei der Zuschauer an Land die Boote kaum erkennen können, werden hoch gelobt. Match-Race Veranstaltungen wie am Bodensee haben Jahre gebraucht, um sich durchsetzen zu können.

Zur Erinnerung und zum Vergleich der Spruch eines klugen Mannes: Um ein Auto zu fahren, muss man nur sehr wenige Teile des Wagens, der gut zigtausend hat,  wirklich kennen. Um ein Boot gut zu segeln, das nur 80 oder wenig mehr bewegliche Teile hat, muss man alle kennen.


Kein Fußball-Journalist würde hämisch auf die Millionäre abziehen, die Fußballer sind, aber die die Segler sponsern, werden genüßlich vorgeführt. Segeln allgemein  ist in Deutschland noch immer bei etlichen ein Sport für Reiche. Die so schreiben, sollten sich mal vor ihrer Haustür umschauen, wer alles segelt, und wie durchschnittlich diese Segler, Motorbootfahrer und vor allem die Millionen Charterkunden verdienen. Und den alten Journalistenspruch bedenken, dass es ja nun nicht immer gut ist, Vorurteile und Stammtischdenken zu bedienen und darauf zu setzen, dass Fußballfans sagen: Das ist doch ein Sport für Reiche ...

Also wird eher gelästert statt simpel zu analysieren.  Sicherlich hat es im deutschen Team auch zu viel Querelen und Streit, zu viel Wechsel im Management gegeben. Das nächste Team hat die Chance, eine breit motivierte Mannschaft mit horizontaler Hierarchie - wie sie die Schweizer Alinghi vorführt - zu bilden. Nur sollten vielleicht einige dabei zurückstecken und auch mal andere ranlassen.


Das deutsche Team, das in den vergangenen Rennen gegen die starken führenden Boote verlor, aber auch gegen die erstaunlich guten Spanier, hat heute noch einmal die Chance, einen Punkt gegen Areva zu machen, am Mittwoch gegen +39. Selbst wenn der Punkt nicht kommt - es bringt Erfahrung in der ersten deutschen Teilnahme am Americas Cup seit 154 Jahren ...

Am 9. Mai stehen die vier Teams endgültig fest, die beim Louis Vuitton Cup ins Halbfinale einziehen. Die anderen müssen einpacken und nach Hause fahren. Franzosen, Schweden, Italiener werden dann ihre Erfahrungen analysieren und ein neues Team zusammen bauen. In Deutschland wird man wohl erst mal über die Segler herziehen - ob die dann noch einen weiteren Sponsor finden ... mal abwarten.

Immerhin haben jetzt etliche Zuschauer bemerkt, wie interessant - und schön - Segeln sein kann. (Motorbootfahren übrigens auch.)

(Jo Achim Geschke, Seglermagazin.de)

Das United Internet Team Germany belegt mit fünf Punkten weiterhin Platz zehn der Gesamtwertung im Louis Vuitton Cup. Am Montag hatte das deutsche Team ein Freilos und damit einen rennfreien Tag, am Dienstag und Mittwoch bestreitet es die letzten beiden Matchraces der Round Robin 2. Gegner sind dann die beiden direkt vor dem United Internet Team Germany platzierten Syndikate: Areva Challenge aus Frankreich am Dienstag und +39 Challenge aus Italien am Mittwoch.


Resultate Flight 9
“Louis Vuitton Cup” - Round Robin 2
+39 Challenge (ITA 85) wins against Team Shosholoza (RSA 83)
Areva Challenge (FRA 93) wins against China Team (CHN 95)
BMW Oracle Racing (USA 98) wins against Mascalzone Latino-Capitalia Team (ITA 99)
Victory Challenge (SWE 96) wins against Desafío Espanol 2007 (ESP 97)
Bye United Internet Team Germany (GER 89)
 

Louis Vuitton Cup - vorläufiges Ergebnis (source: www.americascup.com)
Pos. - Team - Races won/Races run - LV Cup points
1 - BMW Oracle Racing (USA 98) - 16/18 - 35
2 - Emirates Team New Zealand (NZL 92) - 15/18 - 34
3 - Luna Rossa Challenge (ITA 94) - 14/18 - 31
4 - Desafío Espanol 2007 (ESP 97) - 13/18 - 29
5 - Victory Challenge (SWE 96) - 12/18 - 26
6 - Mascalzone Latino Capitalia Team (ITA 99) - 9/18 - 20
7 - Team Shosholoza (RSA 83) - 8/19 - 18
8 - AREVA Challenge (FRA 93) - 7/18 - 15
9 - +39 Challenge (ITA 85) - 3/18 - 8
10 - United Internet Team Germany (GER 89) - 2/18 - 5
11 - China Team (CHN 95) - 1/19 - 3
 
Programm Dienstag, 8. Mai
“Louis Vuitton Cup” - Round Robin 2 - Flight 10
China Team (CHN 95) - +39 Challenge (ITA 85)
United Internet Team Germany (GER 89) - Areva Challenge (FRA 93)
Mascalzone Latino-Capitalia Team (ITA 99) - Luna Rossa Challenge (ITA 94)
Victory Challenge (SWE 96) - Emirates Team New Zealand (NZL 92)
Desafío Espanol 2007 (ESP 97) - BMW Oracle Racing (USA 98)
Bye Team Shosholoza (RSA 83)
 

www.united-internet-team-germany.de

www.bmworacleracing.com


www.americascup.com

 Seite drucken  |   Seite versenden