America's Cup: Bedenkzeit

23. Februar 2003 - Beim Cup im Jahr 2000 wurden Rennen insgesamt 4 Mal verschoben wegen zu leichten Winds. Heute wehte es am Nachmittag mit acht Knoten im Hauraki Golf vor Auckland. Doch nach einem unmöglichen Hinauszögern zwischen der Startzeit 13:15 und 16 Uhr war klar: Das Team NZL 82 wartet auf die für sie optimalen 12 bis 15 Knoten (die für Montag angesagt sind!) – und wollte heute nicht segeln. Das vierte Match wurde zum dritten Mal abgesagt. Die Hintergünde:

Heute Mittag beim Auslaufen : Russel Coutts am Steuer von Alinghi SUI 64- zweiter von rechts, halb verdeckt: Ernesto Bertarelli. (Foto © photowave/ louisvuitton/ americascup.yahoo.com)

Der Wind war zu Mittag des Tages tatsächlich leicht und unbeständig. Gegen 14:40 Uhr wurde aber klar: Es könnte gegen 15 Uhr gestartet werden, der Wind wäre dann ausreichend, wie es die regeln fordern (mehr als 7 Knoten). Rennleiter Harold Bennett fragte den Regeln gemäß beide Teams, ob sie mit einem Start nach 15:30 Uhr einverstanden seien. Brad Butterworth, Taktiker der schweizer Alinghi SUI 64, antwortete sofort: "We're happy to go, Harold". Doch auf dem Boot NZL 82 wurde hektisch telefoniert, wahrscheinlich mit Teamchef Schnackenberg. Schließlich erbat sich NZL 82 eine Bedenkzeit bis 16 Uhr. Bertrand Pacé übrigens, der französische neue Taktiker auf NZL 82 , der den Neuseeländer (!) Pepper ersetzt hatte, machte Kaugummi kauend den Eindruck, als wolle er segeln und es den Schweizern zeigen.

 

Doch um kurz vor 16 Uhr kam das eigentlich für Neuseeland peinliche, erwartete Aus: NZL 82 will nicht segeln, Bennett schlägt vor, nach Hause zu fahren .... Auf Alinghi SUI 64 lachen Steuermann Coutts, Butterworth und Jochen Schümann. Die Neuseeländer sind offensichtlich verunsichert. Ihrem Boot wird nachgesagt, bei 12 bis 15 Knoten am besten zu segeln. Und sie liegen ja 0:3 zurück.

 

Kommentar von Seglermagazin.de: Das ist keine Werbung für den Segelsport! Schließlich senden zehn Nationen live-Berichte aus Auckland, und Millionen Fans haben vor dem Bildschirm gewartet und lesen heute die Berichte – sie wollen Segeln sehen. Und das alles ist auch nicht typisch für den Segelsport. Denn bei 95 Prozent aller anderen Regatten wird auch bei solchem Wind gesegelt. Das muss Laien und Medien immer wieder klar gemacht werden.

 

Ein Lob dem Fernsehen der ARD: Es zeigte während der Wartezeit zwei wunderbare Filme von Wiel Verlinden, über die alten Cup-Yachten Velsheda, Shamrock und Endevour ("Die Legende lebt") , sowie über 150 Jahre Segelsport. Dabei kam auch der Düsseldorfer Herbert Dahm zu Wort und Bild – unter anderem mit der 30-Meter Bentti-Motoryacht "May Way" , bei der der 70er Dahm auf dem Oberdeck eine schnelle Jongert 27 Segelyacht ("True Love") transportiert, mit der er erfolgreich segelt! Über Dahm hat Seglermagazin.de im vergangenen Jahr berichtet

 

( IMS Racer auf der Riesenyacht und

 

Eine Segelyacht auf dem Oberdeck)

 

Die Wirtschafts-Zeitschrift "The Economist" meldete laut scuttlebutt: Der Geldgeber von Alinghi SUI 64, der Milliardär Ernesto Bertarelli, wolle den America's Cup zu einem sportlichen Spektakel ähnlich der Formel 1 machen. Bertarelli werde dabei von Larry Ellison unterstützt, dem Geldgeber von OracleBMW. Sie wollten einen Cup mit einer Serie von Qualifikations-Regatten für ein Finale alle zwei Jahre oder sogar jedes Jahr. Die Teams sollen an unterschiedlichen Orten in der ganzen Welt segeln.

 

Die Neuseeländer wirken gestern weiterhin angeschlagen – kein Wuunder eigentlich nach diesem sensationellen 3:0 der Schweizer Alinghi SUI 64 . Zudem haben Coutts und Crew die NZL 82 im dritten Rennen auch noch von hinten aufgerollt und überholt! Das bei der riesigen "Loyal"-Kampagne der Kiwis nun auch noch ein Neuseeländer vom Boot genommen wird und ein Franzose als Taktiker kommt, spricht Bände.

 

Was ist mit dem deutschen Cupper?

Was ist, wenn der Cup nach Europa kommt? Noch immer sind Illbruck, Kostecki und Co bereit für eine Cup-Kampagne mit dem zu 95 Prozent fertig gestellten Cupper von Illbruck aus dem vorigen Jahr. Und es könnte sich bei einem America's Cup vor europäischer Küste sicherlich ein Sponsor finden, der auch einen nicht-Norddeutschen unterstützt. Schließlich kommt viel High-Tech-Material und Know How für die Cupper aus Deutschland – denkt man nur mal an den Designer von Alinghi SUI 64, den in Hamburg lebenden Rolf Vrolijk ...

Noch immer ist das portugiesische Cascais als Austragungsort im Gespräch – denn Alinghi SUI 64's Geldgeber Bertarelli will den Cup nicht in einem Land aussegeln lassen, das ein Herausforderer-Team stellt. Macht ja Sinn. Und Monaco hat bereits abgesagt: Das Fürstentum sei einfach nicht groß genug für solch einen Riesen-Event.

Das nächste Match ist für Monatg, eigentlich ein Ruhetag, festgelegt. Für Montag sind 5 bis 13 Knoten angesagt, für Mittwoch starker Wind bis 30 Knoten .........

Das nächste Rennen startet am Montag 13:15 Uhr. Der Sieger braucht im "Best-of-nine" Modus fünf erste Plätze.

America's Cup 2003: Race 4 verschoben

Race 4:

Alinghi SUI 64 versus NZL 82: Alinghi SUI 64, …. Sek. Vorsprung

Punktestand:

Alinghi SUI 64 : 3 Punkte

Team NZL 82: 0 Punkte

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